Der optimale Blutdruck liegt laut Weltgesundheitsorganisation bei 120/80 mmHg, doch dieser Wert verschiebt sich mit dem Alter erheblich: Bei Kindern gelten bereits 100/65 mmHg als normal, während bei Menschen über 60 Jahren systolische Werte bis 140 mmHg noch toleriert werden. Die folgende Tabelle gibt Ihnen altersgerechte Richtwerte für alle Lebensphasen.
Blutdruckwerte werden in mmHg gemessen und bestehen aus systolischem (oberer Wert) und diastolischem (unterer Wert) Druck. Normalwerte variieren stark nach Alter: Kinder haben niedrigere Richtwerte als Erwachsene, Senioren tolerieren etwas höhere Werte. Ab 140/90 mmHg spricht die Medizin von Bluthochdruck (Hypertonie), der konsequent behandelt werden sollte. Regelmäßige Kontrolle ist entscheidend, da Bluthochdruck oft symptomlos verläuft.
Was bedeuten die Zahlen beim Blutdruck?
Beim Blutdruck werden stets zwei Werte angegeben. Der obere Wert, der systolische Druck, misst den Druck in den Arterien während des Herzschlags. Der untere Wert, der diastolische Druck, zeigt den Druck in der Ruhephase zwischen zwei Herzschlägen. Beide Werte zusammen geben Auskunft über die Belastung des Herz-Kreislauf-Systems. Ein Wert von 120/80 mmHg bedeutet: 120 mmHg systolisch und 80 mmHg diastolisch. Bereits ab 130/85 mmHg spricht man von einem hochnormalen Blutdruck, der regelmäßig beobachtet werden sollte.
Blutdruck Tabelle nach Alter: Alle Normalwerte im Überblick
Die folgende Tabelle zeigt die empfohlenen Blutdruckrichtwerte geordnet nach Altersgruppen, basierend auf den Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) sowie der Deutschen Hochdruckliga.
| Altersgruppe | Systolisch (mmHg) | Diastolisch (mmHg) | Bewertung |
|---|---|---|---|
| Kleinkind (1-3 Jahre) | 95-105 | 55-65 | Normal |
| Schulkind (6-12 Jahre) | 100-120 | 60-75 | Normal |
| Jugendliche (13-18 Jahre) | 110-130 | 65-80 | Normal |
| Erwachsene (18-40 Jahre) | 110-130 | 70-85 | Optimal bis normal |
| Mittleres Alter (40-60 Jahre) | 120-140 | 75-90 | Normal bis hochnormal |
| Senioren (60-80 Jahre) | 130-145 | 80-90 | Tolerierbar, Kontrolle nötig |
| Hochbetagte (über 80 Jahre) | 140-150 | 80-90 | Individuell abzuklären |
Diese Tabelle dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose. Blutdruckwerte müssen immer im individuellen Gesamtkontext bewertet werden. Bei anhaltend erhöhten oder erniedrigten Werten sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen.
Ab wann gilt Blutdruck als zu hoch oder zu niedrig?
Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie definiert Bluthochdruck (Hypertonie) ab einem Wert von 140/90 mmHg, gemessen in der Arztpraxis. Für die Selbstmessung zu Hause gilt ein niedrigerer Grenzwert von 135/85 mmHg, da in der Praxis häufig ein sogenannter Weißkitteleffekt auftritt, der den Blutdruck kurzfristig anhebt. Blutniedriger Druck (Hypotonie) liegt vor, wenn der systolische Wert dauerhaft unter 100 mmHg fällt. Weltweit leiden nach WHO-Schätzungen rund 1,28 Milliarden Erwachsene an Bluthochdruck, wobei nur 42 Prozent davon diagnostiziert und behandelt werden.
In der klinischen Praxis zeigt sich immer wieder, dass ein einzelner Messwert wenig aussagekräftig ist. Entscheidend ist der Durchschnitt aus mindestens drei Messungen an verschiedenen Tagen, idealerweise morgens vor der Medikamenteneinnahme und abends. Die sogenannte 7-Tage-Selbstmessung nach der ABPM-Methode gilt als zuverlässiger als eine Einzelmessung beim Arzt und deckt Schwankungen im Tagesverlauf zuverlässig auf.
Warum steigt der Blutdruck im Alter an?
Mit zunehmendem Alter verlieren die Arterienwände an Elastizität, ein Prozess, der als Arteriosklerose bezeichnet wird. Das Herz muss mehr Druck aufwenden, um das Blut durch die steiferen Gefäße zu pumpen. Hinzu kommen hormonelle Veränderungen, ein sinkender Grundumsatz sowie häufig eine geringere körperliche Aktivität. Studien zeigen, dass der systolische Blutdruck von der dritten bis zur siebten Lebensdekade im Durchschnitt um 10 bis 15 mmHg ansteigt. Dieser natürliche Anstieg bedeutet jedoch nicht, dass erhöhte Werte im Alter akzeptiert werden sollten, da das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt linear mit dem Blutdruck steigt.
Die 5-Stufen-Messmethode für zuverlässige Heimwerte
Um verlässliche Blutdruckwerte zu erhalten, empfiehlt die Deutsche Hochdruckliga die folgende strukturierte Vorgehensweise, die als 5-Stufen-Messmethode bezeichnet werden kann:
- Stufe 1 – Ruhe: Mindestens 5 Minuten ruhig sitzen, bevor gemessen wird.
- Stufe 2 – Position: Arm auf Herzhöhe ablegen, Manschette fest am Oberarm anlegen.
- Stufe 3 – Doppelmessung: Zwei Messungen im Abstand von 1 Minute durchführen, Mittelwert notieren.
- Stufe 4 – Zeitpunkt: Morgens vor Medikamenten und Frühstück, abends vor dem Schlafengehen messen.
- Stufe 5 – Protokoll: Werte über 7 Tage in einem Tagebuch festhalten und zum Arzttermin mitbringen.
Welche Faktoren beeinflussen den Blutdruck zusätzlich?
Neben dem Alter spielen zahlreiche weitere Faktoren eine entscheidende Rolle. Übergewicht erhöht das Risiko für Bluthochdruck um bis zu 65 Prozent. Chronischer Stress aktiviert das sympathische Nervensystem und hält den Blutdruck dauerhaft erhöht. Kochsalzkonsum, Alkohol, Nikotin und Bewegungsmangel sind weitere bekannte Risikofaktoren. Auf der anderen Seite senken regelmäßige Ausdauerbewegung, eine mediterrane Ernährung sowie ausreichend Schlaf den Blutdruck nachweislich. Bereits 30 Minuten moderates Ausdauertraining täglich können den systolischen Wert um 5 bis 8 mmHg reduzieren, was einem milden Medikament entspricht.
💬 Meine Einschaetzung
Blutdrucktabellen nach Alter sind nützliche Orientierungspunkte, erzeugen aber auch eine trügerische Sicherheit. Viele Menschen beruhigen sich damit, dass ihr Wert für ihr Alter noch „tolerierbar“ sei, obwohl bereits bei 130/85 mmHg das kardiovaskuläre Risiko messbar steigt. Besonders heimtückisch ist, dass Bluthochdruck über Jahrzehnte symptomlos schädigt. Wer sich auf altersbedingte Richtwerte verlässt und denkt, ein Wert von 145/88 mmHg sei mit 70 Jahren normal und daher unbedenklich, übersieht, dass das individuelle Risikoprofil die entscheidende Variable ist. Eine Tabelle ersetzt keine regelmäßige ärztliche Beurteilung, die auch Blutzucker, Cholesterin und Organfunktionen einbezieht. Die Tabelle ist der Startpunkt, nicht das Ziel.
- Optimaler Blutdruck für Erwachsene: 120/80 mmHg laut WHO
- Ab 140/90 mmHg (Praxismessung) gilt ein Wert als Hypertonie und muss behandelt werden
- Weltweit haben 1,28 Milliarden Menschen Bluthochdruck, nur 42 % sind diagnostiziert
- Der Blutdruck steigt von der 3. bis zur 7. Lebensdekade im Schnitt um 10-15 mmHg systolisch
- 30 Minuten tägliches Ausdauertraining senkt den Wert um bis zu 8 mmHg
- Verlässliche Heimwerte erfordern die 5-Stufen-Messmethode über mindestens 7 Tage
Quellen und weiterführende Literatur
- Weltgesundheitsorganisation (WHO): Global Report on Hypertension, 2023
- Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC): Leitlinien zur arteriellen Hypertonie, 2018 und Update 2023
- Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL / Deutsche Hypertonie Gesellschaft: Patientenleitlinie Bluthochdruck, aktuelle Auflage
- Bundesärztekammer: Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie, AWMF-Register








